
Schiff&Hafen | Ausgabe 06/2025
Schiff und Hafen Kompakt 06/2025
Liebe Leserinnen und Leser,
The elephant in the room, der Elefant im Raum oder im Zimmer, ist eine vor allem
im englischen Sprachraum verbreitete Metapher, die ein allgegenwärtiges Problem
beschreibt, das aber von anwesenden Personen nicht thematisiert wird. Interessanterweise
ist diese Redensart in Russland entstanden, geschaffen im Jahr 1814 von
dem Dichter Iwan Andrejewitsch Krylow in einer Fabel über einen Mann, dem in
einem Museum ein Elefant augenscheinlich nicht auffällt.
Warum diese Trivia zum Einstieg in die heutige Ausgabe von Schiff&Hafen Kompakt?
Weil uns die Redensart in den vergangenen Tagen wieder häufiger begegnet ist. In dieser Woche haben in Singapur
die Sea Asia und die Singapore Maritime Week stattgefunden, und natürlich gab es wie auf allen internationalen
Branchenveranstaltungen gute und wichtige Gespräche zu den dringendsten Aufgabengebieten der maritimen
Wirtschaft – u.a. im Bereich der Dekarbonisierung und Digitalisierung. Und doch war ein anderes Thema
omnipräsenter, auch wenn es eben – wie der Elefant – nicht fortwährend diskutiert wurde: Eine zunehmende
geopolitische Instabilität; über Jahrzehnte gültige, verlässliche Bündnisse, die auf einmal keinen Bestand mehr
haben; die Sorge um eine mögliche Rezession – die aktuellen Entwicklungen in den USA, China, Russland und
nun auch in der Türkei beeinflussen nicht zuletzt das operative Geschäft und zentrale wirtschaftliche Entscheidungen
in Schiffbau, Schifffahrt, Häfen und der Offshore-Industrie.
So trifft der Begriff des „Damoklesschwerts“, das über uns allen schwebt, es derzeit vielleicht sogar noch besser
als der Elefant. Der bildliche Ausdruck beruht übrigens auf einer bei Cicero überlieferten Legende, nach der der
Tyrann Dionysos I. von Syrakus den Höfling Damokles üppig bewirtete, über seinem Haupte aber ein Schwert
an einem einzelnen Pferdehaar aufhängen ließ, um ihm damit die ständige Bedrohung jeden Glücks vor Augen
zu führen.
Nun aber genug der linguistischen Randnotizen! Inhaltlich haben wir in der aktuellen Ausgabe einen Schwerpunkt
auf das Thema der Munitionsaltlasten in Nord- und Ostsee und deren Bergung mit exklusivem Interview,
Daten & Fakten, einem aktuellen Forschungsprojekt und einem Veranstaltungshinweis gesetzt. Auch diese
Herausforderung wird die einzelnen Segmente unserer Branche über die kommenden Jahre beschäftigen. Und
Deutschland hat hier nach wie vor gute Chancen, eine technologische Vorreiterrolle einzunehmen.